Grenzfall – Boarderline
Im Zuge einer Ausgrabung in Obernburg/Main konnte erstmals im ganzen ehemaligen römischen Reichsgebiet eine römische Benefiziarierstation mit zugehörigem Weihebezirk erschlossen werden. Das Bauwerk folgt dem hervorgehoben mediterranen Peristylhausstil mit Säulen- und Pfeilerumstellung, Fußbodenheizung sowie dekorierter und bemalter Raumausstattungen. Im Bereich des Weihebezirkes fanden sich 75 Altäre, die dem obersten Staatsgott Jupiter und seiner Gemahlin Juno gestiftet waren. Hiervon sind 19 vollständig erhalten. Die bis zu 1,70 m großen Steindenkmäler sind in Schriftbild, bildnerischer und ornamentaler Ausführung von hoher, überregionaler Qualität. Neben den zahlreichen Einzelfunden der verschiedensten Materialgruppen ist ein Depotfund hervorzuheben, welcher als Weihegabe in das Erdreich eingebracht wurde. Das Depot enthielt eine 26 cm hohe Bronzestatuette des Gottes Merkur, die mit einem silbernen, teilweise vergoldeten Votivblech gleicher Größe sorgfältig abgedeckt war. Dieses Blech trägt in plastischer Treibarbeit ebenfalls eine Darstellung des Merkur. Sie ist in einen Architekturrahmen eingebettet und wird von verschiedenen Attribut-Tieren der Gottheit flankiert. Die Studioausstellung in der Archäologischen Staatssammlung präsentiert eine Auswahl dieses bedeutenden Fundensembles und bietet einen Einblick in die intensive Zusammenarbeit zwischen Restaurator, Archäologe und Naturwissenschaftler sowie der komplexen Anforderungen an die Konservierung und Restaurierung.
01.08. - 01.10.06 | täglich außer MO 09.30-17.30, DO 09.30-21.00
Archäologische Staatssammlung, Lerchenfeldstraße 2, 80538 München,
siehe Lageplan 02

